Hurra, Deutschland ist Gesundheitssystemweltmeister – oder etwa doch nicht?

Ich starte der Einfachheit halber gleich mal ganz platt und pauschal in meinen ersten Blogbeitrag und behaupte: Die Deutschen sind gerne Weltmeister, richtig gerne. Ob im Fußball, in der Formel 1 oder beim Export (warum überhaupt bei Letzterem?).

Doch damit nicht genug: In meiner Funktion beim Landesverband besuche ich regelmäßig gesundheitspolitische Veranstaltungen. Auf diesen wird viel diskutiert, kritisiert und manchmal auch gestritten. Und doch scheinen sich am Ende viele der oft zuvor sehr kontrovers positionierten Teilnehmer in einem Punkt einig zu sein: Unter dem Strich haben wir doch das beste – oder zumindest eines der besten – Gesundheitssystem(e) der Welt. Gesundheitssystemweltmeister also, was für ein herrlicher Begriff!

Wahrheit oder Wunsch?

Doch gibt es dafür auch Belege oder ist das einfach nur eine kühne Behauptung und wir schauen zu sehr durch die rosarote Brille? Naja, beim Fußball, in der Formel 1 oder beim Export ist das recht eindeutig. Es gibt keine zwei Meinungen darüber, wer den „Titel“ momentan innehat. Ein gesamtes Gesundheitssystem zu beurteilen wird allerdings schon konzeptionell deutlich schwieriger. Ein solches hat in der Regel stärkere, gleichzeitig aber auch schwächere Eigenschaften, die es alle zu gewichten gilt. Gerade die Gewichtung der einzelnen Faktoren liegt dabei im Auge des Betrachters und davon abhängig auch das Ergebnis, welches unter dem Strich herauskommt.

Seit einigen Jahren wagen verschiedene Wissenschaftler und internationale Organisationen, wie etwa die Weltgesundheitsorganisation oder die OECD, trotzdem systematische Überblicke über die Leistungsfähigkeit verschiedener Gesundheitssysteme. Manche davon weisen diese sogar in Länderranglisten aus. Deutschland belegt dabei regelmäßig nicht die vordersten Plätze.

Was macht ein Gesundheitssystem gut oder schlecht?

Doch wie misst man überhaupt, ob ein Gesundheitssystem gut oder schlecht ist? Und noch grundsätzlicher: Kann man das überhaupt messen bzw. aus den Daten herauslesen? Klar ist, dass eine Gesellschaft gleich mehrere Zielanforderungen an den Gesundheitssektor stellt. Diese können etwa in der Qualität, der Effizienz, der Erreichbarkeit oder der Gerechtigkeit eines Systems liegen. Entsprechend viele mögliche Messgrößen existieren, zum Beispiel die folgenden:

  • Langlebigkeits-/Mortalitätsmaße,
  • Krankheits- bzw. Morbiditätsindikatoren,
  • Subjektive Gesundheitsindikatoren,
  • Struktur- und Prozessindikatoren,
  • Erreichbarkeits- und Zugänglichkeitsmaße oder
  • Gerechtigkeitsindikatoren.

Warum Ranglisten nicht die Antwort sind

Mit ein paar Statistiken nachweisen zu wollen, ob ein Gesundheitssystem gut oder schlecht funktioniert, gerät deshalb zu einem äußerst komplexen Unterfangen. Dass eine Länderrangliste deshalb sehr hilfreich ist, möchte ich bezweifeln. Richtig und wichtig finde ich allerdings, dass es den Versuch gibt, über eine Interpretation von gezielt dafür erhobenem Datenmaterial Rückschlüsse auf die Stärken und Schwächen eines Gesundheitssystems zu ziehen. Diese bieten eine Richtschnur, um Verbesserungspotentiale und -ansätze einzugrenzen.

In meinen nächsten Blogbeiträgen möchte ich versuchen, die diversen Indikatoren etwas näher zu beleuchten und dabei die Situation in Deutschland international einzuordnen. Bis dahin trainieren wir unser System einfach weiter. Raum für Verbesserung besteht ja schließlich immer – selbst wenn man schon Gesundheitssystemweltmeister wäre!

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