Wie kommt das Geld ins Krankenhaus? Sommerinterview zur Krankenhausfinanzierung

Eine Viertelstunde, fünf Fragen und kein Kaffee – bei meinem Sommerinterview mit Luise Hille sprudeln die Antworten ganz ohne Koffein-Kick. Kein Wunder, denn das Aufgabengebiet der Referentin für Krankenhausvertragsmanagement im Landesverband der Bayerischen Betriebskrankenkassen ist spannend: Gemeinsam mit ihren Kolleginnen verhandelt sie für unsere Mitgliedskassen millionenschwere Budgets mit den Krankenhäusern im Land.

Womit beginnen Sie Ihren Arbeitstag?

Mein Büro liegt am Ende eines Gangs und das ist morgens wirklich praktisch, weil ich meinen Kolleginnen und Kollegen so schon auf dem Weg zu meinem Schreibtisch einen guten Morgen wünschen kann. Ist der Rechner hochgefahren, folgt ein E-Mail-Schnelldurchgang am PC. Ich schaue nach, ob etwas Wichtiges rasch meine Aufmerksamkeit braucht oder ich den Tag wie geplant starten kann. Danach gibt es als kleine Belohnung erst einmal einen heißen Kaffee.

Anders sieht es aus, wenn ich zu Verhandlungen mit einer Klinik fahren muss. Dann starte ich sehr häufig schon ganz früh am Morgen direkt von Zuhause aus.

Wie erklären Sie Ihr Aufgabengebiet einem 12-Jährigen?

Ich würde ihn fragen, wie es daheim bei ihm mit dem Taschengeld so läuft. Sicherlich kennt er Diskussionen mit seinen Eltern darüber, wofür er sein Taschengeld ausgeben darf und sollte? Freibad und Comics sind okay, Zigaretten zum Beispiel aber nicht.

Ungefähr so kann man sich das bei uns vorstellen. Wir verhandeln mit den einzelnen Krankenhäusern je nach ihrer Größe, Ausstattung und ihrem Versorgungsauftrag krankenhausindividuelle Budgets. Dabei geht es natürlich nicht um Taschengeldbeträge, sondern um richtig viel Geld – wir geben viele Millionen aus. Deshalb sind wir auch sehr oft unterwegs und schauen uns in den betroffenen Krankenhäusern um: Wie sieht es auf den Stationen aus? Wie gut sind Operationssäle und Untersuchungsräume ausgestattet?

Außerdem kontrollieren wir auch im Nachhinein sehr genau, ob die Gelder so ausgegeben wurden, wie es vereinbart worden war. Ich bin für rund 40 Kliniken zuständig und wollte man mich für einen Comic zeichnen, wäre ich sicherlich eine Frau, die mit einem riesigen Geldkoffer in ein Krankenhaus hineinspaziert.

Was ist das Spannendste an Ihrem Job?

Das Spannendste ist sicherlich, dass kein Tag wie der andere ist. Das Gesundheitswesen ist sehr komplex, und auch in meinem Bereich ändert sich immer wieder unglaublich viel: Die Digitalisierung eröffnet viele neue Möglichkeiten, in Bayern stehen Wahlen an und die Alterung der Gesellschaft bringt große Herausforderungen mit sich. Der Bundesgesundheitsminister stößt zurzeit mit einer Reihe von Gesetzesentwürfen viele Veränderungen an. Gerade letzte Woche zum Beispiel gab es mit der Verordnung zu den Pflegepersonaluntergrenzen eine neue Regelung, die mein Arbeitsfeld direkt betrifft und die es umzusetzen gilt.

Das Besondere an meinem Arbeitsplatz in einem Verband ist dabei aber auch, dass wir nicht nur umsetzen, sondern auch die Chance haben, Dinge aktiv mitzugestalten. Das finde ich eine besonders spannende Herausforderung und langweilig wird es mir wirklich nicht.

Stellen Sie sich vor, Sie sind Gesundheitsminister. Was packen Sie zuerst an?

Ich würde als erstes eine Angleichung der Vergütungen von ambulanten und stationären Leistungen in Angriff nehmen. Ich weiß, dass es da unterschiedliche Sichtweisen gibt und oft Äpfel mit Birnen verglichen werden. Aber für mich ist nur schwer nachzuvollziehen, warum eine identische Leistung unterschiedlich bezahlt wird, je nachdem, ob sie in einer Arztpraxis oder in einem Krankenhaus durchgeführt wird. Absolut Gleiches sollte gleich vergütet werden - dann überwinden wir auch leichter die Konkurrenzsituation zwischen den einzelnen Sektoren und alle können sich noch stärker auf die optimale Versorgung der Patienten konzentrieren und unter qualitativen Aspekten den Ort für die Behandlung wählen.

Welche Aufgabe wartet direkt nach dem Interview auf Sie?

Wenn ich gleich wieder an meinem Schreibtisch sitze, bereite ich die Budgetverhandlungen vor, die ich morgen in Nürnberg zu führen habe. Ich gehe noch einmal durch meine Notizen und schaue mir meine Excel-Tabellen mit allen wichtigen Daten an. Und dann folgt noch ein Blick in Google Maps: Neben der Route interessiert mich die voraussichtliche Fahrzeit, damit ich weiß, wann ich morgen aufstehen muss. Vermutlich wieder sehr früh, denn für den Weg zur Autobahn durch den Münchner Berufsverkehr muss ich auf jeden Fall wieder ein paar zusätzliche Minuten einplanen.

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