GKV Finanzen
Ein Blick in das Jahr 2025
Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) verzeichnete zum Jahreswechsel 2024/ 2025 den höchsten Beitragssprung ihrer Geschichte: Zum allgemeinen Beitragssatz von derzeit 14,6 Prozent mussten die Krankenkassen von ihren Mitgliedern zum Jahresbeginn 2025 einen Zusatzbeitrag von 2,9 Prozentpunkten erheben. Weil der allgemeine Beitragssatz zur Finanzierung der laufenden Ausgaben schon lange nicht mehr ausreicht, waren in Summe im Januar 2025 durchschnittlich 17,5 Prozent der beitragspflichtigen Einnahmen (bis zur Beitragsbemessungsgrenze von aktuell 5.513 Euro) fällig, die je zur Hälfte von den GKV Mitgliedern und den Unternehmen getragen werden. Auch unterjährig gab es schon mehrfach Beitragsanpassungen bei einigen Krankenkassen und es ist keine Trendwende dieser Entwicklung in Sicht.
Warum steigen die Beitragssätze?
Primär ist der enorme Anstieg der Leistungsausgaben maßgeblich für diese Entwicklung, denn die Ausgaben für die Behandlungs- und weiteren Leistungen der Krankenkassen können nicht mehr mit den laufenden Einnahmen gedeckt werden. Zudem hat der Gesetzgeber den Krankenkassen ihre Rücklagen und damit die Luft zu Atmen genommen. Damit sind die Kassen nicht mehr in der Lage, größere Ausgabenschübe durch eigene Reserven aufzufangen.
Ausgabenexplosionen sind insbesondere in den kostenintensiven Bereichen der Krankenhausversorgung und bei den Arzneimitteln zu beobachten. Im kostenintensivsten Krankenhausbereich, der für ein Drittel der gesamten Leistungsausgaben der GKV steht, sind die Ausgaben im 1. Quartal 2025 gegenüber dem Vorjahreswert um 9,5 Prozent gestiegen. Maßgeblich dafür sind nach Einschätzung des Bundesministeriums für Gesundheit vorrangig hohe Steigerungsraten in der Vergütung, wohingegen bei den Fallzahlen eine leicht rückläufige Entwicklung zu beobachten ist. Auch die enormen Steigerungsraten bei den Pflegepersonalkosten mit einem Plus von 14,3 Prozent tragen wesentlich zu Kostensteigerungen im stationären, aber auch in der ambulanten Behandlungspflege bei.
Ein großer Kostentreiber sind auch Arzneimittel. Insbesondere die patentgeschützten Produkte sorgen für eine große Ausgabenbelastung der GKV. Sie stehen für ca. 55 Prozent der GKV-Arzneimittelausgaben, aber nur für 11 Prozent der Verordnungen. Nach Berechnungen des GKV-Spitzenverbandes stiegen die Kosten einer Tagesbehandlung mit neuen Wirkstoffen im Zeitraum 2012 bis 2024 um 176 Prozent! Im Vergleichszeitraum lag die Kostensteigerung von Arzneimitteln mit bekannten Wirkstoffen aber nur 44 Prozent.
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Versicherungsfremde Leistungen belasten die GKV zusätzlich
Belastend für die Gestzliche Krankenversicherung ist auch, dass sich der Staat in den letzten Jahren zunehmend aus seiner Verantwortung bei gesamtgesellschaftlichen und somit sozialversicherungsfremden Leistungen zurückgezogen hat. Zwar wurden die Krankenkassen für diese Leistungen von 2012 bis 2024 mit jährlich etwa 14,5 Milliarden Euro genau für diesen Zweck unterstützt. Aber real bedeutet auch dieser Zuschuss einen Rückgang, weil inflationsbedingt und aufgrund wachsender Zusatzbelastungen die Ausgaben für versicherungsfremde Leistungen stetig steigen. Zudem deckt der Zuschuss bei weitem nicht die tatsächlichen Ausgaben.
Wie kann diese Entwicklung gestoppt werden?
Es ist eine Rückbesinnung auf eine einnahmeorientierte Ausgabenpolitik notwendig: Denn die Krankenkassen können maximal das Geld für die Versorgung ausgeben, was sie einnehmen. Andernfalls wird sich die Beitragssatzspirale stetig zu Lasten der Beitragszahlenden weiterdrehen.
Wesentlich ist, dass das Geld und insbesondere jeder zusätzliche Euro einer Leistungs- und / oder der Qualitätsverbesserung folgen muss. Kostenintensive Versorgungspakete ohne Patientennutzen, wie Scheininnovationen im Arzneimittelbereich, freie Budgets für ambulant ärztliche Leistungen (aktuell für Kinder- und Jugendärzte und neu für Hausärzte) müssen stets einen Mehrwert in der Versorgung bringen, wenn sie nicht nur einen zusätzlichen Kostenfaktor in der Gesundheitsversorgung darstellen sollen.
Weiterhin bleibt elementar: Überkapazitäten – insbesondere im stationären Bereich - müssen konsequent abgebaut werden. Denn Deutschland leidet in vielen Bereichen und Regionen unter überversorgten Strukturen, wie viele leere Krankenhausbetten zeigen.
Nicht zuletzt muss sich der Staat seiner Verantwortung bei der Finanzierung versicherungsfremder Leistungen wieder besinnen: Der GKV gehen jährlich zweistellige Milliarden-Euro-Beträge verloren, weil sie für gesamtgesellschaftliche Aufgaben zur Kasse gebeten wird.
