GKV Finanzen

Rasant steigende Ausgaben bei mäßig steigenden Einnahmen – Zur Lage der GKV Finanzen

Das Jahr 2026 startete mit einem Zusatzbeitrag von 3,37 Prozent im Durchschnitt aller gesetzlichen Krankenkassen. Im laufenden Jahr muss die GKV täglich eine Milliarde Euro an Ausgaben schultern, rund 370 Milliarden Euro werden es schätzungsweise über das gesamte Jahr 2026 gerechnet. 

Das sind die Hauptfaktoren für die immer weiter steigenden finanziellen Belastungen in der Gesetzlichen Krankenversicherung:

  1. Der enorme Anstieg der Leistungsausgaben: Die Gelder, die die Krankenkassen aufbringen müssen, um ihren Versicherten die Behandlungen in niedergelassenen Praxen, für Arzneimittel, im Krankenhaus oder auch für Heil- und Hilfsmittel und weitere Leistungen zu zahlen, stiegen nach den vorläufigen Zahlen des Bundesministeriums für Gesundheit im 1. Halbjahr 2026 absolut und je Versicherten um 7,4 Prozent. Der enorme Anstieg der Ausgaben hängt vor allem an den Teuerungen in der Krankenhausversorgung (plus 9,4 Prozent je Versicherten), dem Arzneimittelsektor (plus 5,2 Prozent je Vers.) und der ärztlichen Behandlung (plus 6,1 Prozent je Vers.) zusammen, die insgesamt für 66 Prozent der Ausgaben stehen. 
     
  2. Durch verschiedene gesetzliche Maßnahmen (zuletzt GKV-Finanzstabilisierungsgesetz im Jahr 2022) wurde den Krankenkassen ein Großteil der Rücklagen genommen und deren Untergrenze in Schritten abgebaut. Gesetzlich vorgeschrieben ist aktuell eine Mindestrücklage von 20 Prozent einer Monatsausgabe. Doch selbst diesen Wert erreichen viele Krankenkassen aktuell nicht und sind gezwungen, diese über Beitragseinnahmen aufzubauen. Aber, selbst wenn alle Krankenkassen ihre Mindestreserven wieder aufgefüllt haben, reichen die Gelder nicht, um größere Ausgabenschübe damit aufzufangen.
     
  3. Versicherungsfremde Leistungen: Die Gesetzlichen Krankenkassen kommen aktuell nicht nur für Kosten auf, die der Behandlung, Heilung oder Prävention ihrer Versicherten dienen, sondern auch für Ausgaben, die eigentlich in gesamtgesellschaftlicher Verantwortung liegen und durch Steuergelder beglichen werden müssten. So sind zum Beispiel die Ausgaben für die Beziehenden von Grundsicherung nicht kostendeckend. Der GKV gehen allein dadurch 10 Milliarden Euro im Jahr verloren.
     
  4. Die Einnahmeseite mit einem Plus von 4,1 Prozent der Beiträge (ohne Zusatzbeiträge) hält mit dieser Entwicklung nicht mehr Schritt. In den zurückliegenden Jahren stagniert die wirtschaftliche Entwicklung. Das wirkt direkt auf die umlagefinanzierte Einnahmeseite der GKV.
     

Weshalb steigen die GKV-Ausgaben im Krankenhausbereich so rapide an?

Der kostenintensivste Bereich in der Gesetzlichen Krankenversicherung ist die Krankenhausversorgung. Hier steigen die Ausgaben nicht nur überdurchschnittlich, sondern auf einem besonders hohen Niveau. Der Krankenhaussektor macht ein Drittel der gesamten Leistungsausgaben der GKV aus. 2025 flossen rund 102 Milliarden Euro in diesen Leistungsbereich – gegenüber dem Vorjahr ein Anstieg von 9,6 Prozent. Allein im 1. Halbjahr 2026 summieren sich die Ausgaben im Krankenhausbereich schon auf knapp 60 Milliarden Euro!

Weshalb ist der Arzneimittelbereich ein Kostentreiber in der GKV?

Der zweitstärkste Kostentreiber in der GKV ist nach dem Krankenhausbereich der Arzneimittelbereich. Insbesondere die Ausgaben für patentgeschützte Produkte sorgen für eine große Ausgabenbelastung der GKV. Patentgeschützte Arzneimittel sind Medikamente, die auf einem neuen Wirkstoff aufbauen und dadurch für eine bestimmte Zeit über Exklusivrechte bei der Vermarktung und Preisgestaltung verfügen. Sie stehen für knapp 57 Prozent der GKV-Arzneimittelausgaben, aber nur für 11 Prozent der Verordnungsmengen. Nach Berechnungen des GKV-Spitzenverbandes stiegen die Kosten einer Tagesbehandlung mit neuen Wirkstoffen im Zeitraum 2017 bis 2025 um 47 Prozent! Im Vergleichszeitraum lag die Kostensteigerung von Arzneimitteln mit bekannten Wirkstoffen aber nur bei 44 Prozent. Lesen Sie hierzu auch unser Fokusthema Arzneimittelausgaben.

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Wie kann es sein, dass die GKV für Leistungen aufkommt, für die sie gar nicht zuständig ist?

Belastend für die Gesetzliche Krankenversicherung ist auch, dass sich der Staat in den letzten Jahren zunehmend aus seiner Verantwortung bei gesamtgesellschaftlichen und somit sozialversicherungsfremden Leistungen zurückgezogen hat. In der GKV subsummieren diese unter dem Begriff der versicherungsfremden Leistungen. Dazu zählen zum Beispiel Kosten der GKV-Versicherten mit Bezug von Grundsicherung, Leistungen der Krankenkassen rund um die Schwangerschaft, das Mutterschaftsgeld oder Krankengeld bei der Betreuung eines kranken Kindes und vieles mehr. Sie alle haben einen gesamtgesellschaftlichen Bezug, weshalb ihre Finanzierung auch staatlich zu tragen wäre. 

Die versicherungsfremden Leistungen summieren sich auf mittlere zweistellige Milliarden Euro Beträge. Einen besonders großen Anteil daran tragen die Aufwendungen der GKV für die Krankenversicherung von GKV-Versicherten, die Grundsicherung beziehen. Jedes Jahr sind dies allein rund zehn Milliarden Euro, die der GKV-Versichertengemeinschaft entgehen.

Wie kann ein weiterer Anstieg der Ausgaben in der GKV gestoppt werden?

Die wichtigsten Punkte aus Sicht des BKK Landesverbandes Bayern:

Es ist eine Rückbesinnung auf eine einnahmeorientierte Ausgabenpolitik notwendig, wie es das Sozialgesetzbuch fünf in § 71 nach dem Grundsatz der Beitragssatzstabilität festgeschrieben hat. Diese Rückbesinnung entspricht auch einer Empfehlung der Expertenkommission Gesundheit und ist Leitgedanke des Beitragssatzstabilisierungsgesetz (BStabG). So ist in Vergütungsverhandlungen mit Leistungserbringenden ist als Orientierungswert grundsätzlich die Veränderung der Grundlohnsumme zu beachten. Denn die Krankenkassen können maximal das Geld für die Versorgung ausgeben, was sie über die Beiträge von beitragszahlenden Mitgliedern und Unternehmen einnehmen. Übersteigen die Ausgaben die Einnahmen, öffnet sich die Schere einer Finanzierungslücke rasant. So sind im 1. Halbjahr 2026 die Einnahmen der GKV um 4,1 Prozent gestiegen, die Leistungsausgaben aber mit 7,1 Prozent deutlich stärker.

Wesentlich ist, dass das Geld und insbesondere jeder zusätzliche Euro einer Leistungs- und / oder der Qualitätsverbesserung folgen muss. Kostenintensive Versorgungspakete ohne Patientennutzen, wie Scheininnovationen, die einen nicht vorhandenen Zusatznutzen im Arzneimittelbereich suggerieren, freie Budgets ohne Mengenbegrenzungen für ambulant ärztliche Leistungen  müssen stets einen Mehrwert in der Versorgung bringen, wenn sie nicht nur einen zusätzlichen Kostenfaktor in der Gesundheitsversorgung darstellen sollen.

Weiterhin bleibt elementar: Überkapazitäten – insbesondere im stationären Bereich – müssen konsequent abgebaut werden. Denn Deutschland leidet in vielen Bereichen und Regionen unter überversorgten Strukturen, wie viele leere Krankenhausbetten zeigen. Zudem wird in Deutschland zu viel stationär behandelt, was auch ambulant medizinisch machbar wäre.

Der Staat muss bei der Finanzierung versicherungsfremder Leistungen Verantwortung übernehmen: Der GKV gehen jährlich zweistellige Milliarden-Euro-Beträge verloren, weil sie für gesamtgesellschaftliche Aufgaben zur Kasse gebeten wird.

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