Neue Wege in der Versorgung

Wenn es darum geht, die Versorgung der Versicherten zu verbessern und nachweislich gute Behandlungsalternativen in den Versorgungsalltag zu bringen, sind die Betriebskrankenkassen (BKK) ganz vorne dabei. 

Gemeinsam mit verschiedenen Partnern entwickeln die BKK stetig neue Versorgungsmodelle und fördern über die Aufklärungsarbeit ein Umdenken in der Medizin mit Erkenntnissen aus der Epigenetik, der Bindungsforschung und der Psychoneuroimmunologie.

Der BKK Landesverband Bayern hat bislang sechs Projekte in den Innovationsfonds eingereicht. Es spricht für die Qualität der vorgelegten Forschungs- und Versorgungsvorhaben, dass auch alle sechs Projekte vom Gemeinsamen Bundesausschuss positiv beschieden wurden.

Erfahren Sie hier mehr über die Projekte, an denen der BKK Landesverband Bayern beteiligt ist.

Darmkrebs ist sowohl bei Frauen als auch bei Männern die zweithäufigste bösartige Krebserkrankung und auch die zweithäufigste Krebstodesursache in Deutschland. Immer mehr jüngere Menschen erkranken an Darmkrebs: Jede zehnte Neuerkrankungen wird in Deutschland bei unter 55-Jährigen entdeckt. Besonders gefährdet sind Menschen, in deren Familien Darmkrebs vermehrt auftritt. 

In Deutschland steht gesetzlich Versicherten jedoch erst ab dem Alter von 50 Jahren der Test auf Blut im Stuhl und ab dem Alter von 55 Jahren die Darmspiegelung (Koloskopie) als Krebsfrüherkennungsmaßnahmen zur Verfügung. Das ist oft zu spät!  

Seit dem 01.10.2018 gibt es exklusiv in Bayern ein Projekt, durch das Versicherte mit einem familiären Darmkrebsrisiko schon im Alter von 25 Jahren Vorsorgeleistungen kostenfrei in Anspruch nehmen können. Das Projekt heißt FARKOR, was für „Vorsorge bei familiärem Risiko für das kolorektale Karzinom“ steht – oder einfacher ausgedrückt: Vorsorge bei familiärem Darmkrebsrisiko. 

Viele Betriebskrankenkassen sind an diesem Projekt beteiligt und übernehmen die Kosten für die Darmkrebs-Vorsorge. Das ist bundesweit einzigartig!

Unter dem Slogan „Darmkrebs in der Familie? Sprich drüber!“ sollen Versicherte zwischen 25 und 49 Jahren mit ihrem behandelnden Arzt über Darmkrebs in der Familie sprechen. Beteiligen können sich Gynäkologen, Urologen, Onkologen, Hautärzte, Gastroenterologen und fachärztliche Internisten. 

Ziel des Projekts ist es, Versicherte mit einem familiär erhöhten Darmkrebsrisiko in Bayern bereits früh zu identifizieren. Dadurch soll familiär mit Darmkrebs belasteten Menschen eine risikoangepasste Darmkrebsvorsorge angeboten und die Sterblichkeit von Darmkrebs bei den unter 50-Jährigen gesenkt werden. 

Das Projekt wird wissenschaftlich vom Institut für Medizinische Informationsverarbeitung, Biometrie und Epidemiologie (IBE) der LMU München begleitet und wird erstmals fundierte Daten über diese Zielgruppe und die Inanspruchnahme risikoangepasster Früherkennungsmaßnahmen liefern. Eine gesundheitsökonomische Kosten-Nutzen-Analyse wird darüber hinaus zeigen, ob dadurch insgesamt auch Kosten gespart werden können. Das Konzept ist so angelegt, dass es nach einem erfolgreichen Abschluss im Jahr 2020 in die Regelversorgung übernommen werden kann. Das Projekt wird aus Mitteln des Innovationsfonds für drei Jahre gefördert (Förderkennzeichen 01NVF17026).

Informationen zum Thema Darmkrebs in der Familie und dem Projekt FARKOR finden Sie unter www.darmkrebs-in-der-familie.de oder auf www.kvb.de

Schirmherrschaft:
Melanie Huml, Staatsministerin

Konsortialführer:
Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB)

Konsortialpartner:

  • Felix Burda Stiftung
  • BKK Landesverband Bayern
  • AOK Bayern
  • Verband der Ersatzkassen e.V. (vdek)
  • Techniker Krankenkasse
  • BARMER
  • DAK-Gesundheit
  • KNAPPSCHAFT
  • Institut für Medizinische Informationsverarbeitung
  • Biometrie und Epidemiologie (IBE) der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München
  • Private Universität für Gesundheitswissenschaften
  • Medizinische Informatik und Technik GmbH (UMIT) Hall in Tirol

Kooperationspartner:

  • Netzwerk gegen Darmkrebs e.V.
  • Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS)
  • Deutsche Gesellschaft für Humangenetik (GfH)
  • Deutsche Gesellschaft für Pathologie (dgp)
  • Bayerische Landesärztekammer (BLÄK)

Zahlreiche Untersuchungen zeigen, dass eine gemeinsam von Patient und Arzt verantwortete, verhandelte und individuell abgestimmte medizinische Behandlung – sogenannte Partizipative Entscheidungsfindung – den Krankheitsverlauf positiv beeinflusst. Damit dies ermöglicht wird, müssen insbesondere die Patienten in die Lage versetzt werden, eine solche Entscheidung gut informiert zu treffen. 

Patienten informieren sich immer häufiger selbst über Krankheiten und Behandlungsmöglichkeiten, etwa im Internet. Jedoch ist die eigene Recherche der Patienten bei Ärzten umstritten, da Selbstinformation verwirren kann und unseriöse Gesundheitsinformationen nicht leicht zu erkennen sind.

Das Projekt GAP (Gut informierte Arzt-Patienten-Kommunikation) möchte Internetnutzenden dabei helfen, vertrauenswürdige, verständliche, evidenzbasierte und aktuelle Informationen zu finden. Dafür wurde eine kostenfreie und wissenschaftlich fundierte Suchmaschine erstellt, die frei von jedweden kommerziellen Interessen ist. Am Beispiel zur Behandlung von Rückenschmerz, werden Ärzten und Patienten über das online Rückenschmerzportal deutschsprachige Materialien zur Verfügung gestellt, die nationale und internationale Informationen auf Basis der neuesten Entwicklung zum Thema bündeln. Diese Informationen sind evidenzbasiert, aktuell und unabhängig. Weil die Informationen in laienverständlicher Sprache aufbereitet werden, sind sie direkt im Arzt-Patienten-Gespräch einsetzbar.

Welchen Einfluss diese Gesundheitsinformationen auf die Arzt-Patienten-Kommunikation haben, soll mit Hilfe einer Fragebogenbefragung der teilnehmenden Hausärzte und Patienten untersucht werden. Primäres Evaluationsziel ist es, die Informiertheit der Hausärzte und der Patienten zu erfassen. Hierbei sollen Nutzen und Risiken des Online-Portals mit der bisherigen Konsultationspraxis bei Patienten mit Rückenschmerzen verglichen werden. Zudem sollen im Rahmen einer gesundheitsökonomischen Analyse die Kosten der rückenschmerzbezogenen, ambulanten und stationären Inanspruchnahme des Gesundheitsversorgungssystems sowie die Kostendaten für die Arbeitsunfähigkeit betrachtet werden.

Einen kurzen Einblick in die Funktion der Suchmaschine und das Projekt GAP bietet folgendes Video. Interessierte können die Suchmaschine für ihre Bedarfe nutzen. Zur Optimierung und Evaluation sind alle NutzerInnen bis Ende Mai 2021 eingeladen, an einer Umfrage teilzunehmen und so ihr Feedback einzubringen. Dabei kann ein Büchergutschein im Wert von 20€ gewonnen werden.

GAP-Suchmaschine https://search.gap-medinfo.de/

Video Rückenschmerz, gute Gesundheitsinformationen und bessere Arzt-Patienten-Gespräche: Das GAP-Projekt https://www.youtube.com/watch?v=S49Hdtln6Hs

Das Projekt wird mit Mitteln des Innovationsausschusses beim Gemeinsamen Bundesausschuss (Förderkennzeichen 01NVF17010) über einen Zeitraum von 3 Jahren (bis 30.09.2020) gefördert mit dem Ziel, positive Ergebnisse in die Regelversorgung zu überführen.

Konsortialführer:
Institut für Evidenz in der Medizin (für die Cochrane Deutschland Stiftung).

Konsortialpartner:

  • BKK Landesverband Bayern
  • Universitätsklinikum Freiburg
  • Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
  • Allgemeinmedizinisches Institut am Universitätsklinikum Erlangen
  • TU Dortmund

Viele Studien belegen, dass negative Gefühle und Empfindungen wie Stress oder Ärger unser Immunsystem schwächen. Sie machen uns anfälliger für Infektionen, Allergien oder andere Krankheiten. Umgekehrt sind Zusammenhänge zwischen einer positiven Einstellung und der Stärkung des Immunsystems bewiesen. Diese Zusammenhänge sind wissenschaftlich unter dem Begriff Psychoneuroimmunologie gebündelt. Sie fließen in verschiedene Projekte des BKK Landesverbandes Bayern ein und werden auch über den Innovationsfonds erprobt.

Wissenschaftler haben die Wirkungsweise von chronischem Stress erforscht.  Das in Stresssituationen produzierte stimulierende Hormon Cortisol kann bei anhaltendem Stress eine körperschädigende Wirkung entfalten: Die Körperzellen werden beschädigt und die Immunfunktion wird gehemmt. Stressbedingt erhöhte Endzündungsparameter sind Nahrung für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Krebs u.a. und können die Lebenszeit verkürzen.

Dagegen bilden positive soziale Beziehungen einen wesentlichen Faktor dafür, Entzündungsparameter zu senken und das Immunsystem zu stärken.

Wir wissen, dass psychische und körperliche Krankheiten einander begünstigen. Bekanntermaßen machen schwerwiegende psychosoziale Belastungsfaktoren in Form von Vernachlässigung, Misshandlung, Missbrauch und anderes krank.  Auch mangelnde Zuwendung oder einschneidende Veränderungen im familiären Umfeld in den ersten Lebensjahren können belastend wirken und die Wahrscheinlichkeit erhöhen, im weiteren Lebensverlauf zu erkranken.

Viele Präventionsangebote der Betriebskrankenkassen setzen deshalb im Kindesalter an. Denn Kinder, die in einem feinfühligen Beziehungsumfeld aufwachsen, haben bessere Chancen, zu psychisch-emotional starken Menschen heranzuwachsen und werden weniger anfällig für psychische aber auch für körperliche Erkrankungen. Seit Jahren besteht hierzu eine enge Partnerschaft mit dem bayerischen Staatsinstitut für Frühpädagogik (ifp).

Unsere Gesundheit ist in einer Art Prozess veränderbar. Was uns einmal per Erbinformation in die Wiege gelegt wurde ist keineswegs ein unabänderliches Schicksal. Zwar bringt unser Erbgut Anlagen mit, die den Grundstock unserer Gesundheit bilden. Jedoch sind die in den Genen gespeicherten Informationen nie alleine entscheidend. Vielmehr beeinflussen unser Lebensstil und Umwelteinflüsse unsere Zellen und damit die Wirkweise unserer Gene. Diese besitzen Rezeptoren, die veränderbar sind. Wie sich diese Rezeptoren schalten, haben wir also selbst in der Hand.

Mit dieser Erkenntnis öffnen sich neue Tore für ein anderes Gesundheitsverständnis, weil eben diese Faktoren in starkem Maße nachgiebig sind. So sind Volkskrankheiten, Altersleiden und psychische Krankheiten in aller Regel keine Erbleiden, sondern über den Lebensstil bis in die winzig kleinen Kerne unserer 30 Billionen Körperzellen beeinflussbar. Wissenschaftlich fundierte, aber laienverständliche Beiträge zur Epigenetik veröffentlichen wir auf unserem Gesundheitsportal unter dem Stichwort Epigenetik.