Prävention in der Pflege

Wir fördern die Prävention in Pflegeeinrichtungen und die Förderung regionaler Netzwerke in der Pflege:

Vorrang von Prävention und medizinischer Rehabilitation. So lautete der gesetzliche Auftrag für Pflegekassen und Leistungsträger im § 5 SGB XI, bevor er 2015 durch das Präventionsstärkungsgesetz (PrävG) einen neuen Anstrich bekam. Ab dem Jahr 2016 fördern die Pflegekassen auch Leistungen zur Verhältnisprävention, mit denen die Gesundheit und die Fähigkeiten der betreuten Senioren gestärkt und erhalten werden sollen. Angesprochen sind die stationären Pflegeeinrichtungen, das sind Pflegeheime ebenso wie Tagespflegen. Was das Neue daran ist? Die betreuten Senioren, die Leitung und das Pflegepersonal, Heimbeirat und Angehörige werden an einem ganzheitlichen Gesundheitsförderungsprozess beteiligt.

Sie suchen einen Partner für ein Präventionsprojekt in Ihrer Pflegeeinrichtung oder möchten mehr über die neuen Präventionsaufgaben der Pflegekassen wissen? Dann sprechen Sie uns an. Wir bemühen uns darum, Ihnen den passenden Partner für Ihr Anliegen zu vermitteln.

Verhältnisprävention in stationären Pflegeeinrichtungen ist Neuland

Warum sollten ältere Menschen in Pflegeheimen nicht mehr vom Leben erwarten dürfen als Kost und Logis? Was Pflegeeinrichtungen über die reine Pflege hinaus für die Gesundheit ihrer Bewohner tun könnten weiß noch keiner so genau. Wie sie es tun könnten, empfiehlt der  Leitfaden Prävention in stationären Pflegeeinrichtungen des  Spitzenverbandes Bund der Pflegekassen. Für die Kriterien, Methodik und Evaluation im Leitfaden wurde unabhängiger Sachverstand aus der Pflegewissenschaft hinzugezogen, da es noch nicht genug praktische Erfahrungen auf diesem Gebiet gibt. 

Das primäre Präventionsziel in der stationären Pflege ist es, die gesundheitsfördernden Potenziale von Pflegeeinrichtungen zu stärken, statt vereinzelte Aktionen anzubieten. Wem das zu abstrakt ist, der kann sich an die Teilziele des Leitfadens für einzelne Handlungsfelder halten: Ernährung, körperliche Aktivität, kognitive Ressourcen, psychosoziale Gesundheit, Vermeidung von Gewalt – angepasst an die Gesundheit im Alter und die veränderten Lebensbedingungen von betreuten Senioren. Die Maßnahmen sollen möglichst alle betreuten Senioren in einer Einrichtung erreichen, unabhängig von deren persönlichen Einschränkungen aufgrund der Pflegebedürftigkeit.

Plan, Do, Check, Act – der Gesundheitsförderungsprozess

Die partizipative Verhältnisprävention in Lebenswelten, wie hier der Pflegeeinrichtung, setzt auf ein strukturiertes Miteinander, das von einem sogenannten Steuerungsgremium koordiniert wird. In jedem Präventionsvorhaben wird zunächst eine Bedarfsermittlung mit allen Risiken und Potenzialen durchgeführt. Anschließend werden daraus die Ziele abgeleitet, die die Einrichtung erreichen möchte und geeignete Maßnahmen zur Verbesserung der gesundheitsrelevanten Verhältnisse und Verhaltensweisen vereinbart. Die Umsetzung der Maßnahmen braucht in der Regel die richtige Unterstützung und muss auf jeden Fall für die spätere Evaluation dokumentiert werden.

Der Gesundheitsförderungsprozess in einer Pflegeeinrichtung ist eine große Anstrengung für alle Beteiligten. Verantwortliche müssen überzeugt, Mitarbeiter für Schulungen und Aktionen freigestellt und Bewohner mitgenommen werden. Das Ganze soll analysiert, geplant, umgesetzt und dann auch noch evaluiert werden. Wichtig ist, dass alles unter Beteiligung der Bewohner, Mitarbeiter, Angehörigen und Verantwortlichen der Pflegeeinrichtung passiert, damit in der ganzen Einrichtung ein gemeinsames Bewusstsein für Gesundheit im Alter entsteht.

Die Pflegekassen beraten und unterstützen

Die Pflegekassen beraten und unterstützen die Pflegeeinrichtungen bei diesem Vorhaben und fördern sie finanziell bei der Umsetzung dieser Maßnahmen. Wem das primäre Präventionsziel zu hoch gegriffen scheint und wer erst mal ganz konkrete Maßnahmen zu den Handlungsfeldern ausprobieren möchte, kann bei den Pflegekassen nach fertigen Programmen fragen. Für einzelne Handlungsfelder werden sogenannte Rundum-Programme gefördert, mit denen Pflegeeinrichtungen durch die Schritte des Gesundheitsförderungsprozesses begleitet werden. Manche dieser Programme bieten die Pflegekassen mit qualifizierten Kooperationspartnern flächendeckend an, andere werden mit jeder Einrichtung individuell abgestimmt. So kann jede Pflegeeinrichtung für sich die richtige Balance zwischen Einsatz und Erfolg wählen. Dass das ganze Pflegeheim mit den Verantwortlichen, Mitarbeitern und Bewohnern am Ende gewinnen wird, davon sind die Pflegekassen in Bayern schon jetzt überzeugt.

Damit aus der praktischen Umsetzung von Maßnahmen in den Pflegeeinrichtungen weitere Erkenntnisse für geeignete Präventionsprogramme für betreute Senioren in Pflegeeinrichtungen gewonnen werden können, erfassen die Pflegekassen qualitative und quantitative Parameter der durchgeführten Projekte an zentraler Stelle beim Medizinischen Dienst der Spitzenverbände (MDS). Dieser fasst die Ergebnisse trägerübergreifend zu einem Gesamtbericht für die Nationale Präventionskonferenz zusammen.

Pflegebedürftige und ihre Angehörigen werden oft unversehens mit einer schwierigen Lebenssituation konfrontiert. Wer sich plötzlich um die Pflege eines Angehörigen kümmern muss, ist nicht nur organisatorisch gefordert, sondern vor allem auch emotional belastet. Ein regionales Netzwerk aus allen Akteuren, die an der Versorgung Pflegebedürftiger beteiligt sind, macht es Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen leichter, die vielfältigen Angebote zu kennen und die richtigen Entscheidungen für diesen Lebensabschnitt zu treffen. Darum wird die strukturierte Zusammenarbeit in regionalen Netzwerken der Kreise oder kreisfreien Städte von den Pflegekassen gefördert.

Die Förderung regionaler Netzwerke ist als Bestandteil der Förderung der Weiterentwicklung der Versorgungsstrukturen und des Ehrenamtes zu verstehen. Voraussetzung für die Förderung eines regionalen Netzwerks ist eine freiwillige Vereinbarung der Akteure, die insbesondere die Kommunen, Selbsthilfegruppen und -kontaktstellen sowie ehrenamtlich tätige Personen aktiv in die strukturierte Zusammenarbeit einbezieht. Die Förderung ist eine Anteilsfinanzierung der netzwerkbedingten Kosten, die einen jährlichen Höchstbetrag von 20.000 € je Kreis oder kreisfreier Stadt nicht übersteigen soll.

Weiterführende Informationen zur Netzwerkförderung sowie zum Antragsverfahren finden Sie hier:

Die Unterlagen für das Antragsverfahren zur Netzwerkförderung finden Sie hier:

Ab dem Jahr 2019 sind Förderanträge bis spätestens zum ersten Werktag des jeweiligen Jahres für das laufende Kalenderjahr bei der Förderantragprüfstelle (sh. Anlage 1) einzureichen.