Innovationsfonds: Projekt PETRA 2.0 zur alternativen Therapie bei Rheumatoider Arthritis kann starten

Rheumatoide Arthritis, kurz Rheuma, zählt zu den großen chronischen Volkskrankheiten unserer Zeit. Erkrankte werden bisher vornehmlich symptomatisch medikamentös behandelt. Wie sich Betroffene auch selbst in ihren Behandlungsprozess einbringen können, wird in dem Forschungsprojekt PETRA 2.0 (Personalisierte Therapie bei Rheumatoider Arthritis) untersucht.

PETRA 2.0 baut auf Erkenntnissen der Psychoneuroimmunologie (PNI) auf und wird kassenseitig von der AOK Bayern und den Betriebskrankenkassen (BKK) in Bayern und wissenschaftlich von Medizinern, Psychologen, Psychotherapeuten und anderen Experten getragen. Das Projekt wird über den Innovationsfonds aus Mitteln der gesetzlichen Krankenversicherung finanziert und soll über 3,5 Jahre laufen, teilt der konsortialführende BKK Landesverband Bayern zum Projektstart mit.

Ziel von PETRA 2.0 ist es, psychische Befindlichkeit, Immunstörung und Krankheitsaktivität der Betroffenen langfristig positiv zu beeinflussen. Im Erfolgsfall fällt den Erkrankten der Umgang mit ihrer rheumatoiden Arthritis leichter, weil psychischen Begleiterkrankungen vorgebeugt wird und Krankheitsschübe reduziert werden können. Insgesamt wird für die Betroffenen ein Gewinn an Lebensqualität erwartet.

Kern des Projekts wird ein neunmonatiges, durch Psychotherapeuten geführtes gruppenbasiertes Kompetenztraining für Patientinnen und Patienten sein, das mit einer Nachhaltigkeitsphase konzipiert ist. Basierend auf der PNI wurden insgesamt zwölf Interventionsmodule entwickelt, die sich auf unterschiedliche Aspekte des täglichen Lebens fokussieren. Betroffene lernen, die mit ihrer Krankheit einhergehenden Gefühle, wie Angst, Ärger, Depression, Zweifel oder Überdruss in ihrer täglichen Lebens- und Arbeitswelt selbstbestimmt zu steuern. Über das Kompetenztraining werden die emotionalen und sozialen Kompetenzen der Teilnehmenden gestärkt und Problemlösungsstrategien erarbeitet.

In die Studie werden 440 Patientinnen und Patienten einbezogen, wovon eine Hälfte das durch Psychotherapeuten geführte gruppenbasierte Kompetenztraining erhält. Begleitet wird die Hauptstudie von sogenannten integrativen Einzelfallstudien, die die komplexen Zusammenhänge zwischen biologischen, psychologischen und sozialen Krankheitsfaktoren unter Bedingungen des gelebten Alltags näher bestimmen. Aktuell laufen die Vorbereitungen der Studie mit insgesamt acht beteiligten Institutionen. Die Einschreibung von Patientinnen und Patienten kann voraussichtlich im Februar 2022 starten.

Organisatorisch und inhaltlich baut PETRA 2.0 auf dem Vorgängerprojekt PETRA auf. Die Konsortialführung hält der BKK Landesverband Bayern. Konsortialbeteiligte sind der Berufsverband der Präventologen, die Medizinische Universität Innsbruck, die Universität Regensburg, die Deutsche Psychotherapeutenvereinigung Landesgruppe Bayern, der Berufsverband Deutscher Rheumatologen (BDRh) Service GmbH, die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns und die AOK Bayern.

Das Projekt wird für 3,5 Jahre mit insgesamt ca. 4,4 Millionen Euro gefördert. Das Förderkennzeichen lautet: 01NVF20024.

 

Der BKK Landesverband Bayern vertritt als Körperschaft des öffentlichen Rechts die Interessen der Betriebskrankenkassen und ihrer Versicherten in Bayern. Aktuell zählt der BKK Landesverband Bayern 17 Betriebskrankenkassen als Mitglieder mit rund 3,4 Millionen Versicherten (Kassensitz). In Bayern selbst leben mehr als 2,4 Millionen Menschen, die bei einer Betriebskrankenkasse (BKK) versichert sind. Damit verfügen die Betriebskrankenkassen im Freistaat über einen GKV-Marktanteil von rund 22 Prozent.