Frauen in der GKV und was sich die DAX-Unternehmen davon abgucken können

Als mich meine Chefin kurz nach ihrem Amtsantritt im Jahr 2010 fragte, was ich davon hielte, wenn sie sich „Vorständin“ nennt, fand ich das damals fremd und seltsam komisch. Nicht zuletzt aufgrund der zu erwartenden, erklärungsbedürftigen Kommentare, die künftig meine Pressearbeit für den BKK Landesverband Bayern begleiten würden, riet ich ihr erst einmal davon ab. Doch die Vorständin setzte sich verbandsintern und -extern durch.

Im Jahr 2013 wird die Vorständin sprachlich verfestigt

Heute bin ich froh, dass sie mit ihrer frühen Intervention dazu beitrug, die Vorständin salonfähig zu machen. Seit dem Jahr 2013 kennt offiziell der Duden, auch Bibel der Rechtschreibung genannt, die Vorständin. Im Jahr 2018 lächelt kaum mehr einer über den Begriff und Fragen dazu muss ich schon lange nicht mehr beantworten.

Zu Recht, denn weibliche Vorstandsetagen sind in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) schon längst keine Ausnahme mehr.

GKV toppt DAX30

Sicher, es gibt auch in der GKV in Bezug auf die Vorstandsposten noch immensen weiblichen Nachholbedarf. Aber der Anteil der Frauen in Funktion eines Chief-Executive-Officers (CEO) - dem Vorstand in der GKV vergleichbar – ist in der Privatwirtschaft der Großunternehmen, positiv ausgedrückt, bescheiden: Bei den DAX30 sind die CEO-Büros rein männlich besetzt. Etwas, aber nicht viel besser sieht es in der weiteren Betrachtung der 160 börsennotierten Unternehmen aus. Hier sind immerhin drei Frauen mit CEO-Titeln dabei. Eine detaillierte Übersicht des Frauenanteils in den Vorstandsetagen der 160 in Deutschland börsennotierten Unternehmen, liefert der Allbright-Bericht vom September 2017.

Aktuell 26 Vorständinnen in der GKV

Aktuell zählen wir in Deutschland 110 Betriebs-, Innungs-, Ersatz-, Ortskrankenkassen, knappschaftliche und landwirtschaftliche Versicherungsträger in der GKV. Hinzu zu zählen sind 8 Verbände auf Bundes- und Landesebene. Der Anteil der Frauen auf den Vorstandsetagen ist im Vergleich zur Börsenwirtschaft gigantisch: 20 Frauen stehen einer Krankenkasse oder einem Verband als Vorständin oder als erste Vorsitzende in Funktion einer CEO vor. Hinzu kommen 6 weitere Frauen, die in zweiter oder dritter Position den Vorstandsposten bestreiten. Die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) ist somit spitze, was den Anteil von Frauen in den ersten Rängen betrifft.

Das Who is Who der Vorständinnen in der GKV

Gesetzliche Krankenkasse / GKV-Verband  | 

Vorständin im Vorsitz (Abweichung)

Bahn BKK

Hanka Knoche (2. Vorständin)

BKK Achenbach Buschhütten

Eva-Maria Müller

BKK Deutsche Bank

Ute Manthey-Wasserfuhr

BKK Dürkopp-Adler

Elke Löhr

BKK Landesverband Bayern

Sigrid König

BKK Landesverband Süd

Jacqueline Kühne

BKK Pfaff

Elke Hach

BKK Technoform

Claudia Leckebusch

BKK VBU

Andrea Galle

BKK VerbundPlus

Dagmar Stange-Pfalz

Bosch BKK

Dr. Gertrud Prinzing

Brandenburgische BKK

Kathrin Wormann

Die Bergische KK

Sabine Stamm

EY BKK

Iris Weinrich

Miele BKK

Anette Helfberend

Novitas BKK

Kirsten Budde (2. Vorständin)

R + V BKK

Iris Schmalfuß

Salus BKK

Ute Schrader

SBK

Dr. Gertrud Demmler (2. Vorständin)

AOK Bayern

Dr. Irmgard Stippler

AOK Nordwest

Dr. Martina Niemeyer (2. Vorständin)

Knappschaft

Bettina am Orde (1. Direktorin)

Techniker Krankenkasse

Karen Walkenhorst (3. Vorständin)

GKV-Spitzenverband

Dr. Doris Pfeiffer (Vorstandsvorsitzende)

Stefanie Stoff-Ahnis (Vorständin)

Vdek

Ulrike Elsner

 

Hängt der hohe Frauenanteil am soften GKV-Thema?

Aus unserer parlamentarischen Geschichte wissen wir, dass die scheinbar soften Sozialthemen Gesundheit, Frauen und Familie gerne mit Frauen besetzt werden; Altkanzler Gerhard Schröder prägte den Begriff „Frauen und Gedöns“. Gesundheit ist indes ganz und gar kein Gedöns. Denn die Vorständinnen verantworten zusammen mit ihren männlichen Vorstandskollegen keine Peanuts, sondern rund 230 Milliarden Euro, die aktuell pro Jahr über die Konten der GKV fließen. Zum Vergleich: Der gesamte Haushalt der Bundesrepublik Deutschland hat ein Ausgabenvolumen von rund 330 Milliarden Euro.

Es müssen noch mehr Frauen werden

Das Ende der Fahnenstange ist sicher auch bei den Vorständinnen in der GKV noch nicht erreicht. Erst rund ein Viertel in der ersten Vorstandsetage ist weiblich besetzt. Da geht sicher noch mehr!

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